Kurier, September 2002

"Rückentraining wie beim Astronauten"
Das neue Therapiegerät Spacecurl stärkt verspannte Muskeln


Es ist ein Gefühl als ob man – losgelöst von der Erde – in der Luft schwebt: An den Füßen und rund um den Bauch gesichert, steht der Patient in der Mitte von drei großen Ringen. Je nachdem, in welche Richtungen der Therapeut die Ringe drückt (oder sich der Patient mit den Füßen dagegen stemmt), fällt der Körper in dieser Kugel vor-, rück- oder seitwärts und dreht sich um bis zu 360 Grad. Spacecurl heißt das neue, in Deutschland entwickelte medizinische Trainingsgerät, das ursprünglich für US-Kampfpiloten und Astronauten eingesetzt wurde (und wird). Sie trainieren damit – ebenso wie Spitzensportler – den Gleichgewichtssinn und die Muskelkoordination. Patienten mit Bandscheibenschäden, schweren Muskelverspannungen und Wirbelsäulenbeschwerden können zusätzlich ihre Muskeln stärken. „In vielen Fällen ermöglicht das Gerät eine raschere und bessere Heilung" sagt Bernhard Stengg, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation.

Verspannungen
Stengg ist ärztlicher Leiter von pain care („Zentrum für interdisziplinäre Schmerzforschung und medizinisches Wirbelsäulentraining“) in Wien Mariahilf. Er therapiert und trainiert Spitzensportler und Rückenpatienten mit dem Spacecurl. „Wenn chronische Verspannungen längere Zeit andauern, gewöhnen sich die Muskeln daran“, so Stengg. „Sind einmal die großen Muskeln verspannt, werden die kleinen, die für die richtige Stellung der Wirbel zueinander verantwortlich sind, immer schwächer. Die Bandscheiben werden dadurch stärker belastet.“ Bereits vorhandener Schmerz verstärkt sich – was wiederum zu noch stärkerer Muskelverkrampfung führt.

Zusammenspiel
„Der Spacecurl hilft, das richtige Zusammenspiel der Muskeln wieder herzustellen und kräftigt sie. Dadurch werden Verspannungen gelockert“, so Stengg. Es werden vor allem jene tief liegenden Rückenmuskeln aktiviert, die nicht bewusst trainiert werden können. „Durch die besondere Form der Bewegung werden alle Muskeln und nicht nur ein kleiner Teil angesteuert. Dadurch werden die ursprünglichen gesunden Bewegungsabläufe neu programmiert und wieder hergestellt.“ Nach ein bis zweimaligem Training pro Woche über zehn bis zwölf Wochen hindurch seien die Muskelkraftwerte und das für einen optimalen Bewegungsablauf notwendige Zusammenspiel der Muskulatur bei einem Großteil der Patienten wieder im normalen Bereich: „Falsch eingeschliffene Bewegungsmuster lösen sich auf.“ Stengg und auch der Sportorthopäde Karl-Heinz Kristen betonen, dass der Spacecurl oft andere Therapien – etwa herkömmliches Krafttraining – nicht ersetzen, sondern nur ergänzen kann.

In Österreich stehen derzeit vier Spacecurls. In Deutschland übernehmen die Krankenkassen bereits einen Teil der Kosten einer Spacecurl-Therapie – in Österreich einstweilen nur einige private Krankenversicherer. Stengg: „Dabei bewirkt die schnellere Heilung eine deutliche Verringerung der Krankenstandstage."


Medieninhaber: Kurier Zeitungsverlag u. Druckerei GmbH, Redakteur: Ernst Mauritz
Kurier, Nr. 265, September 2002

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