Woman, Oktober 2003

"Der Dreh für das Kreuz"

Rückenschmerz, ade! WOMAN zeigt  sechs aktuelle Rücken-Therapien, die beleidigte Wirbelsäulen wieder aufrichten. Und alle Beschwerden ohne Nebenwirkungen vertreiben.

Es trifft fast jeden einmal: Acht von zehn Menschen macht der Rücken im Laufe ihres Lebens zu schaffen. Und bei jedem dritten werden die Schmerzen in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen gar chronisch. Dass der Röntgenbefund zu 85 Prozent unauffällig ausfällt, ist da nur ein schwacher Trost. In letzter Zeit allerdings mehren sich die Lichtblicke: Neue Heiltechniken versprechen, das Kreuz mit dem Kreuz zu beenden.

1. Rückenfit nach Art der Astronauten
Jüngster Hoffnungsträger ist ein im Wortsinn spaciges 3-D-Gerät: Der „Spacecurl“ kommt aus der Raumfahrt und wurde ursprünglich konstruiert, um angehende Astronauten fit fürs All zu machen. Was die Rotationsmaschine kreuzwehgeplagten Erdlingen bringt? Bernhard Stengg, der erste und versierteste Spacecurl-Anbietern in Österreich: „Das Gerät kräftigt jene Muskeln am Rückrat, die auf Reflexe reagieren und deshalb nicht so leicht trainiert werden können. Diese spielen aber die Hauptrolle für die Koordination, die bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen gewöhnlich ein Schwachpunkt ist. Mit der Folge dass sie ungeschickter und verletzungsanfälliger sind und ihre Bandscheiben gefährden.“

Kreuz und quer. Um das Zusammenspiel der Muskeln zu verbessern, wird die Patientin im Spacecurl an Füßen und Hüfte fixiert und vom Therapeuten in alle Richtungen gewirbelt. Automatisch versucht der Körper, die Schieflage auszugleichen – eine Anstrengung mit heilender Wirkung. Rückenexperte Stengg: „Studien mit 30.000 Testpersonen bestätigen: Nach drei Monaten Therapie haben 90 Prozent der Patienten keine oder deutlich weniger Rückenschmerzen.“

2. Entspannungstraining durch die Macht der Bilder
Echt cool. Gerade Beschwerden im oberen Rücken haben aber oft auch psychische Ursachen. Nicht umsonst heißt es „den Kopf einziehen“ oder „die Angst im Nacken spüren“: Im Falle von Stresssituationen spannen manche Menschen automatisch die Schultermuskulatur an.

Eine Methode namens „Biofeedback“ verhilft zur nötigen Portion Coolness und wird deshalb auch von Österreichs Rückenkoryphäe Hans Tilscher empfohlen. Die Behandlung funktioniert so: „Über Elektroden wird die Stromstärke von Muskelspannung gemessen und umgehend am Bildschirm dargestellt“, erklärt Biofeedback-Therapeutin Brigitte Hueber das Verfahren. Die Patientin sieht also am Computer, was in ihrem Körper bei Anspannung und Lockerung vorgeht. Die Folge: Sie lernt Gelassenheit von der Pike auf. Hueber: „Man kann sich tatsächlich selbst so konditionieren, dass keine Verspannungen in den Schultern mehr auftreten.“ Das braucht freilich seine Zeit: Erst nach zehn bis fünfzehn Sitzungen ist es so weit.

3. Einfach und bewährt: die Rückenschule
Solch ein Gerätepark ist freilich nicht jedermanns Sache. Das Ausweichprogramm heißt Rückenschule. Die kann zuhause absolviert werden, verlangt aber ein Höchstmaß an Disziplin. Empfiehlt doch ihr Erfinder, der Orthopäde Hans Tilscher, täglich 15 Minuten Training. Dafür kräftigen die Übungen nicht nur, sondern verbessern auch die Beweglichkeit und dehnen häufig verkürzte Muskelgruppen wie den Trapezmuskel oder den Rumpfstrecker der Lendenwirbelsäule. Bei ihrer Ausführung geht es weniger um oftmalige Wiederholung als darum, die Positionen eine Weile zu halten.

4. Heilung durch sanfte Griffe
Erste Hilfe. Bei akuten Problemen wie dem einschießenden Schmerz eines Hexenschusses oder Nackenstarre kann von freiwilliger Bewegung natürlich keine Rede mehr sein. Ratsamer als Medikamente oder Infiltrationen ist in diesem Fall ein Besuch beim Osteopathen. Der ist in der Zwischenzeit von der Schulmedizin anerkannt und arbeitet im Unterschied zum „Einrenken“ des Chiropraktikers mit wesentlich sanfteren Druckgriffen. Oft reichen wenige Behandlungen, um das Malheur zu beheben. Als „Hausübung“ ist freilich wieder Bewegung nötig.

SPACECURL. Das Weltraumtrainingsgerät macht Furore bei der Behandlung von Patienten mit chronischem Rückenschmerz.
Dr. Bernhard Stengg, Physikalischer Facharzt, Pain Care: "Die Muskelkoordination ist bei chronischen Rückenschmerzen ein häufiger Schwachpunkt."

BIOFEEDBACK. Die Nackenschmerz-Patientin wird an den Computer „angeschlossen“ und sieht selbst, wie der Körper auf Spannung und Entspannung reagiert. Sie lernt dadurch bewusstes Relaxen.

RÜCKENSCHULE. Der Klassiker unter den Selbsthilfemethoden. Die Übungen wurden vom österreichischen Rückenguru Hans Tilscher zusammengestellt und trainieren Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule ohne x-fache Wiederholungen.

OSTEOPATHIE. Behutsame, aber effektive Griffe bringen den Bewegungsapparat  schnell wieder ins Lot und helfen bei Ischias, Hexenschuß und Beckenschiefstand. Die Amerikaner schwören schon lange darauf.


Eigentümer, Verleger, Medieninhaber: Verlagsgruppe NEWS GmbH
Das Gespräch führte Andrea Krieger
Auszug aus Woman, Nr. 21, Oktober 2003

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