Kronen Zeitung - Gesundheitsbeilage, August 2005

Muskelkräfigung in 3D -  Therapeutisches Klettern kräftigt die Rumpfmuskulatur

Ein Teufelskreis: Fehlhaltung, einseitige Belastung, manchmal „nur“ der falsche Bürosessel oder Stress (Verspannungen) bedingen Rückenschmerzen. Man nimmt Schonhaltung ein, und verringert Alltagsbewegungen.

Medizinisches Training für Patienten mit Rückenschmerzen
Der Körper lernt das falsche Bewegungsmuster, es kommt zu weiterer Fehlsteuerung, Muskelverkürzung und Muskelschwäche – die Schmerzen werden chronisch.

Dies bedingt nicht nur Einschränkung der Lebensqualität, chronischer Schmerz „zermürbt“ Betroffene auch psychisch.
Umfragen haben ergeben, dass der durchschnittliche Schmerzpatient mehr als sieben Arztkontakte und sechs Jahre (!) Zeit benötigt, bis er den für Ihn geeigneten Spezialisten findet!

Beschwerden abklären und individuell behandeln
„Viele Patienten mit Rückenschmerzen kommen mit einer dicken Diagnose- und einer dünnen Therapiemappe. Dabei ist es kaum möglich, die „eine“ Ursache für die Beschwerden auszumachen. Man muss alle Aspekte im Leben des Patienten berücksichtigen: Körperliche Störungen, psychosoziale Situation, Lebensbedingungen etc.“ , so Dr. Bernhard Stengg, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Zentrum für interdisziplinäre Schmerzforschung und medizinisches Wirbelsäulentraining „pain care“ in Wien.

Daher liegt für ihn die Auflösung des Problems in einem strukturierten Stufen- Therapiekonzept. Zu Beginn steht ein einstündiges Gespräch, in dem die persönliche Situation des Patienten abgeklärt wird und besonders viel Augenmerk auf  Aufklärung gelegt wird.

Dr. Stengg: „Information entängstigt“.
Auch, wenn man nicht versprechen kann, Schmerzen für immer zu beseitigen - bei mehr als 80 Prozent der Behandelten verringert sich die Beschwerdehäufigkeit um mindestens die Hälfte bis hin zur völligen Beschwerdefreiheit.

Hauptaugenmerk in der Therapie liegt in einem speziellen, lang erprobten Trainingskonzept unter Anleitung von Sportärzten zum Wiederaufbau der Wirbelsäulenmuskulatur und „Umprogrammierung“ fehlgeleiteter Bewegungsmuster. Das Ziel ist, so schnell wie möglich wieder aktiv zu werden, Alltagstätigkeiten wieder aufnehmen zu können und dann die wichtigen Muskelgruppen ein Leben lang zu erhalten. Alterslimit gibt es so gut wie keines, Dr. Stengg berichtet auch von Erfolgen über 80 jähriger Patienten. Trainingseinheiten von einer Stunde ein- bis zweimal pro Woche drei Monate lang genügen zum Aufbau.

Schritt für Schritt wird die Kraft der Rückenmuskeln um 30-50 Prozent gesteigert, die Leistungsfähigkeit um 60- 100 Prozent. Um die Muskelkraft zu erhalten, reicht in der Folge eine Trainingseinheit pro Woche.

Zum Einsatz kommen medizinische Trainingsgeräte wie etwa der „Spacecurl“, der ursprünglich für die NASA und US-Air-Force entwickelt wurde. Er ermöglicht ein dreidimensionales Koordinationstraining.

Auch therapeutisches Klettern wird eingesetzt. Voraussetzung sind nach dem Abklärungsgespräch körperliche Untersuchung  unter Einbeziehung vorhandener Befunde und die Akutbehandlung des Schmerzes: Es stehen medikamentöse Therapien zur Verfügung, wie auch Infiltrationen, Neuraltherapie etc. Für Dr. Stengg sind Medikamente aber nicht als eigenständige Therapie zu betrachten, sondern als Mittel zum Zweck.

Besonders aussagekräftig sind sogenannte Maximalkraft-Tests auf modernsten Therapiegeräten durchgeführt werden und eine Beurteilung in allen drei Ebenen von der Hals- bis Lendenmuskulatur möglich machen.
Darauf wird eine individuelle Behandlung abgestimmt.

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