Kleine Zeitung - Extrablatt, Mai 2001

"Schmerz, lass endlich nach!"

Menschen mit chronischen Schmerzen sind zu vielem bereit, nur um ihre unangenehmen Begleiter los zu werden. Sie gehen mit einer hohen Erwartungshaltung zu „Gurus“, tragen Amulette und kommen erst nach statistischen 6,4 von chronischen Schmerzen geplagten Jahren dorthin, wo ihnen tatsächlich geholfen werden kann. Für viele ist dies die Wiener Tagesklinik „pain care“, österreichweit das erste Zentrum für interdisziplinäre Schmerzforschung und medizinisches Wirbelsäulentraining.
„Auch wir können unseren Patienten keine Schmerzfreiheit garantieren“, sagt Bernhard Stengg, medizinischer Leiter der Klinik. Denn jeder, der das tue, sei ein „Scharlatan“. Auch sage er dem Patienten bei der ersten Konsultation, dass er und seine Kollegen sich als Begleiter des Patienten verstehen würden. „Wenn jemand kommt und glaubt, er überantwortet sich uns für einige Zeit und dann sei er geheilt, dann ist dies eine falsche Erwartungshaltung.“ Wichtig sei es, dass der Hilfesuchende selbst mitarbeitet.

Was ist nun der Unterschied zu Schmerzambulanzen? „In unserer Klinik arbeiten Ärzte aus den Bereichen Neurologie, Rheumatologie, Physikalische Medizin, Orthopädie, Neurochirurgie und Anästhesie, aber auch Sportwissenschafter sowie Physiotherapeuten und Masseure zusammen. Dazu kommt, dass Sie bei uns modernste Therapiemöglichkeiten finden, wie etwa den Spacecurl, ein Gerät zum dreidimensionalen Koordinationstraining der Wirbelsäule.“

Kommt nun ein Patient mit chronischen Schmerzen, dann wird zunächst einmal sein Ist-Zustand erhoben. Dazu gehört die Feststellung, ob der Schmerz nur ein Symptom ist, wie bei einer Blinddarmreizung, oder ob es die Folge einer Verletzung oder auch einer Veranlagung ist. Danach wird eine individueller Trainingsplan erstellt, der auch die „seelische Seite“ des Patienten berücksichtigt. Denn chronischer Schmerz führt rasch zu sozialen Veränderungen. „Jemand der keine zwei Stunden in Sitzposition aushält, hört auf, ins Theater zu gehen.“ Wenn er dort aber seine sozialen Kontakte gepflegt hat, dann ist ein Schmerz der Beginn für soziale Vereinsamung.

Für das Team von „pain care“ ist Schmerz also nicht die Auswirkung eines mechanischen Defekts, sondern eine Störung in einem bio-psycho-sozialen Modell.


Medieninhaber (Verleger): Kleine Zeitung GmbH & CoKG, Redaktion Stmk: Mag. W.Sotill
Kleine Zeitung, Nr. 271, Mai 2001

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